Vereinschronik zum 100-jährigen Jubiläum 2007

Der Ursprung des musikalischen Vereinslebens in Egesheim geht auf den 1820 in Egesheim geborenen Bruno Ramsperger zurück. Er gründete 1880 eine kleine Streichmusik, die auf dem Heuberg verschiedene Ereignisse musikalisch umrahmte und sogar Auftritte im Oberland hatte. Mit Bruno Ramsperger spielten Athanasius Sieger, Thaddäus Wohlfahrt, Andreas Ramsperger und Lorenz Ramsperger. 1897 löste sich die Streichmusik auf, weil einige Mitglieder ausfielen.

Einige Jahre später gründete Lorenz Gentner ein musikalisches Ensemble, diesmal als Blaskapelle. Dieses Gründungsjahr ist allerdings nicht schriftlich verbürgt, erste schriftliche Quellen über eine Musikkapelle in Egesheim gibt es erst aus dem Jahr 1907. Gründungsmitglieder dieser ersten Egesheimer Blaskapelle waren Lorenz Gentner, Remigius Quarleiter, Josef Ramsperger sen., Thomas Reiser, Klemens Sauter, Alfred Sieger, Hermann Sieger, Adolf Seckler, Alois Steckeler und Philipp Steckeler. Die damaligen Statuten besagen, dass jedes Mitglied einen Betrag von 30 Reichsmark zur Beschaffung der Instrumente aufbringen musste.

Dirigent, Vorstand und Kassier war in den ersten Jahren Lorenz Gentner.

Der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 schwächte die Blaskapelle, da die meisten Musikanten in den Kriegsdienst mussten und nicht alle wieder heimkamen. Lorenz Gentner jedoch bemühte sich nach Kriegsende erfolgreich um Nachwuchsmusikanten, so dass in den Jahren 1919 und 1920 zehn neue Mitglieder in die Blaskapelle aufgenommen werden konnten: Josef Keller, Franz Xaver Reiser, Johann Reiser, Josef Reiser, Rafael Reiser, Theodor Seckler, Adolf Sieger, Georg Sieger, Johann Sieger und Theodor Sieger senior.

1921 schloss sich der Musikverein mit dem Turnverein zusammen. Dies fand nicht die Billigung des Dirigenten, weshalb Lorenz Gentner 53jährig den Dirigentenstab an Georg Sieger übergab, als Vorstand und Kassier zurück-trat und eine eigene „Hauskapelle“ aufbaute. Ihm folgten als Vorstand Adolf Sieger und als Kassier Alfred Sieger.

Am 8. Januar 1922 wurde der Musikverein offiziell in den Turnverein Egesheim aufgenommen und führte danach den Namen „Musikabteilung des Turnvereins“. Doch bereits sechs Jahre später, am 5. Februar 1928, beschloss die außerordentliche Generalversammlung im Gasthaus Traube, Musikkapelle und Turnverein wieder zu trennen. Die Musikabteilung musste dafür jedoch den B-Bass für 20 Mark sowie Noten und Notenständer für insgesamt 4 Mark vom Turnverein erwerben.

Im Winter 1930/31 wurde Lorenz Gentner zum Ehrendirigenten ernannt, sein Sohn Johann Gentner wurde mit 23 Jahren Dirigent und vereinte die Hauskapelle von Lorenz Gentner mit der ehemaligen Musikabteilung des Turnvereines zu einem selbstständigen Musikverein. Als Vorstand gewählt wurde Lorenz Reiser, Kassier wurde Rafael Reiser, Schriftführer Adolf Sieger.

1933 feierte der Musikverein Egesheim sein 30jähriges Gründungsfest auf dem damaligen Turnplatz, der bis 1997 als Kinderspielplatz genutzt wurde. Man ging damals vom Gründungsjahr 1903 aus, erst später berief man sich auf die schriftlichen Quellen von 1907 und legte dieses Jahr als Gründungsjahr des Musikvereines Egesheim fest.

In den Folgejahren war kaum mehr ein geregelter Probebetrieb möglich, da aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Situation die meisten aktiven Musikanten ihren Lebensunterhalt als Bauhandwerker in der Fremde verdienten. Viele Wanderarbeiter kehrten im Winter nach Egesheim zurück, so dass vor allem in dieser Zeit geprobt wurde. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939wurde die Probenarbeit nach und nach eingestellt, da immer mehr aktive Musikanten an die Front mussten. So kam das Vereinsleben weitgehend zum Erliegen.

Am 13. Juli 1944 starb Dirigent Johann Gentner, der als Trompeter bei der Militärkapelle in Ulm mitwirkte, an einer durch Kriegseinwirkung zugezogenen Krankheit in einem Lazarett in Freiburg. Dies war für den Musikverein Egesheim ein großer Verlust.

Beim Einmarsch der Franzosen am 20. April 1945 erfuhr der Musikverein Egesheim einen weiteren Rückschlag: das Haus von Linus Stier, in dem der Verein die Notenschränke und weitere Utensilien gelagert hatte, wurde in Brand geschossen, alle Noten und das weitere Vereinseigentum verbrannten. Einige Tage später, als der Krieg zu Ende war, wurden alle Musikinstrumente durch die französische Besatzungsmacht beschlagnahmt. Nach Abgabe aller Instrumente auf dem Rathaus sollten sie nach Frankreich abtransportiert werden, was deutsche Hilfspolizisten jedoch im letzten Moment verhindern konnten. Der Musikverein bekam einen Großteil der Instrumente wieder zurück, eine große Trommel, ein Althorn und eine Trompete fehlten jedoch.

Von der Besatzungsmacht wurde zunächst jede Vereinstätigkeit untersagt. Eine Neugründung konnte somit erst im Winter 1947/48 erfolgen, als wieder eine geregelte Probenarbeit möglich war. Bei der Neugründungsversammlung waren anwesend: Lorenz Reiser (Vorstand seit 1931), Konrad Dreher, Stefan Dreher, Anton Gentner, Leo Gentner, Siegfried Gentner, Josef Ramsperger jun., Fabian Reiser, Gottfried Reiser, Leo Reiser, Matthäus Reiser, Rafael Reiser, Urban Reiser, Wilhelm Reiser und Gallus Stier. Dirigent wurde für zwei Jahre  Anton Gentner.

In der Generalversammlung 1950 ergaben die Wahlen folgende Vorstandschaft: Vorstand Lorenz Reiser, Kassier Eugen Sieger, Dirigent Rafael Reiser. Im Januar 1952 löste Konrad Dreher den bisherigen Vorstand Lorenz Reiser ab.

1953 feierte der Musikverein Egesheim das 50jährige Jubiläum, man ging nach wie vor vom Gründungsjahr 1903 aus. Beim Wertungsspiel im selben Jahr in Rottweil erspielten sich die Musikanten aus Egesheim ein „Sehr gut“.

Im Juni 1955 wurde zur Aufbesserung der Vereinskasse ein großes Fest

„75 Jahre Volksmusik in Egesheim“ gefeiert. Hierbei bezog man sich auf die 1880 gegründete Streichmusik, die als Vorläufer des heutigen Musikvereins gilt.

In den darauffolgenden Jahren ließ der Probenbesuch derart nach, dass sich Dirigent Rafael Reiser dazu gezwungen sah, den Probenbetrieb zeitweise ganz einzustellen. Es wurde nur noch zu besonderen Anlässen und meist nur noch in kleiner Besetzung gespielt. Dies war auf Dauer nicht befriedigend, und so fanden sich 1968 engagierte Musikanten unter der Federführung von Robert Ramsperger und Anton Stier zusammen, um den Musikverein wieder zu neuem Leben zu erwecken. Im März 1968 nahm der Verein die regelmäßige Probenarbeit wieder auf. Probelokal war zunächst die Baracke des Sportvereins Egesheim, das heutige Sportheim. Auch junge Egesheimer fanden Interesse an der Blasmusik und traten dem Verein bei. Robert Ramsperger erteilte ihnen Musikunterricht. Viele Instrumente waren schadhaft und mussten repariert werden, neue Instrumente mussten mit großem finanziellen  Aufwand angeschafft werden.

In der Generalversammlung am 06. September 1968 wurde Anton Stier zum Vorstand gewählt, sein Stellvertreter wurde Adolf Stier, Kassier Martin Dreher und Schriftführer Wilhelm Waibel. Dirigent war Robert Ramsperger. Die Patenschaft für die wieder gegründete Blaskapelle übernahm der Musikverein Nusplingen, der bis heute unsere Patenkapelle ist.

Als Lohn für die Mühen des Neuanfangs konnte der Musikverein Egesheim bereits 1969 beim Preisspielen in Frittlingen einen 1. Rang in der Anfängerstufe erzielen. Da im Gebäude des Sportvereins die Probenarbeit auf Dauer nicht möglich war, nutzte der Musikverein die Möglichkeit, im ehemaligen Wohnhaus von Magdalena Reiser unterzukommen. Nach dem Herausbrechen einer Wand hatte der Musikverein erstmals einen eigenen Proberaum.

1970 richteten die drei Musikvereine aus Bubsheim, Königsheim und Egesheim erstmals das inzwischen zur Tradition gewordene Graneggfest an Christi Himmelfahrt aus.

Beim Kreismusikfest in Obernheim erspielten die Musikanten aus Egesheim 1971 erneut einen 1. Rang in der Unterstufe.

Anfang der 70er Jahre stellte die Gemeinde Egesheim dem Musikverein den unteren Saal des Schulhauses als Proberaum zur Verfügung.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Musikvereins war die Anschaffung einer Uniform im Jahr 1972. Die braun-beige gehaltene Uniform wurde an Fronleichnam 1972 zum ersten Mal getragen und fand bei den etwa 20 Musikanten und in der Bevölkerung guten Anklang.

Nach diesen erfolgreichen Jahren kam 1975 mit dem Rücktritt von Vorstand und Dirigent ein schwieriges Jahr auf die Musikanten zu. Anton Stier legte sein Vorstandsamt aus beruflichen Gründen nieder und beendete gleichzeitig auch seine aktive Tätigkeit als einziger Bassist. Dirigent Robert Ramsperger beendete seine Tätigkeit als Dirigent. In der General-versammlung am 17. Januar 1975 wurden Wolfgang Reschke zum Vorstand und Adolf Stier zum Dirigenten gewählt.

Im Winter 1976/77 veranstaltete der Musikverein Egesheim erstmals ein Weihnachtskonzert und spielte zusammen mit dem Musikverein Bubsheim zum Konzert auf.

Am 05. Mai 1981 wurde der Musikverein Egesheim in das Vereinsregister beim  Amtsgericht  Spaichingen eingetragen.

Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das große Musikfest vom 04. bis 07. Juni 1982, das der Verein anlässlich seines 75jährigen Bestehens und zur Feier von 100 Jahren Volksmusik in Egesheim ausrichtete. Der Festabend am Samstag mit den Original Schwarzwaldmusikanten und Rolf Schneebiegel sowie dem Stargast Walter Scholz ist noch

vielen in guter Erinnerung. Auch der Festumzug mit Gastkapellen aus der Umgebung war gut besucht.

1984 stellte sich der Musikverein Egesheim den Wertungsrichtern in Fischingen und erspielte einen

1. Rang mit Aus-zeichnung. Die Kapelle nahm unter der Leitung von Adolf Stier mit insgesamt 25 Musikanten, davon 12 Jungmusikan-ten, an dem Wert-ungsspiel teil.

1986 zählte der Musikverein 26 aktive Musikanten, insgesamt 65 Mitglieder und fünf Ehrenmitglieder.

In der Generalversammlung am 15. Januar 1988 wurde Vorstand Wolfgang Reschke von Konrad Hafner abgelöst, der bis zum Jahr 2007 die Geschicke des Vereins leitete.

Zum Jahresbeginn 1992 wechselte der Dirigentenstab von Adolf Stier an Manfred Flad aus Böttingen, womit der Musikverein Egesheim zum ersten Mal in seiner Geschichte einen auswärtigen Dirigenten hatte.

Da der von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Proberaum zu eng wurde, wurde 1995 unter großem Engagement der Vereinsmitglieder das Probelokal im Schulhaus vergrößert und umgebaut.

Einen musikalischen Höhepunkt stellten die Aufnahmen des Südwestfunks für die Radiosendung „Morgenläuten“ am 15. März 1996 dar. Das „Morgenläuten aus Egesheim“  wurde auf SWF 1 am 21. April 1996 ausgestrahlt.

Nachdem die ersten Uniformen in die Jahre gekommen waren, beschloss der Musikverein 1997, neue Uniformen anzuschaffen. Beim 50er-Fest präsentierte sich die Musikkapelle erstmals im modernen petrolfarbenen Trachtenlook.

Beim Weihnachtskonzert 1998 übergab Dirigent Manfred Flad den Taktstock an den bisherigen ersten Trompeter der Musikkapelle, Peter Dreher, der bis heute den Musikverein Egesheim erfolgreich dirigiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Musikverein 25 aktive Musiker, 12 Jungmusikanten, sechs Ehrenmitglieder und 58 passive Mitglieder.

2004 hatte der Musikverein erstmals 40 aktive Mitglieder. Diese erfreuliche Entwicklung hatte zur Folge, dass die Größe des Probelokales kaum mehr ausreichte.

Im Jahr 2005 sanierte die Gemeinde Egesheim das Schulhaus und baute es zum Dorfgemeinschaftshaus um. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde unter tatkräftigem Einsatz der Vereinsmitglieder das bisherige Probelokal im Untergeschoss vergrößert und völlig neu gestaltet. Während der einjährigen Bauzeit probte der Musikverein im Obergeschoss der Garage von Reinhold Schätzle.

2007 übernahm dann Jörg Keller die Leitung des Vereins und löste damit Konrad Hafner als Vorstand ab.

In seinem 100. Jahr kann der Musikverein mit Stolz auf 43 aktive Mitglieder, darunter 16 Musikantinnen, sowie insgesamt 111 Vereinsmitglieder blicken.

Der Musikverein Egesheim gestaltet das kirchliche und kulturelle Dorfleben maßgeblich mit: das Dreikönigskonzert, das Spielen am Rosenmontag und das Frühschoppenkonzert beim Eierschupfen sowie das Graneggfest, das zusammen mit den Musikvereinen aus Königsheim und Bubsheim veranstaltet wird, sind feste Termine im Vereinskalender, ebenso wie die Mitwirkung bei der Fronleichnamsprozession, beim Volkstrauertag und das Weihnachtsliederspielen am Heiligabend. Zu den Musikvereinen der umliegenden Gemeinden pflegen wir aktive und freundschaftliche Kontakte.